Logistik Lernen Hamburg

Berufskraftfahrerin

Kampfkatze nennen sie einige ihrer Kollegen. Und das sind ausschließlich Männer. Denn Jennifer Reinhard arbeitet als Lkw-Fahrerin. Das sei keine schwere körperliche Arbeit, sagt sie. Aber eine, in der sie sich behaupten muss. Und darum hat sie sich auch ein kleines Schild drucken lassen, das die alleinerziehende Mutter in die Frontscheibe ihres Brummis legt, wenn sie auf Tour ist.

Brummifahrerin
Brummifahrerin

Mit 29 Jahren sei sie beruflich endlich angekommen. Der Lkw-Bock ist der, auf den sie immer rauf wollte. Schon als kleines Kind. "Mein Vater war Lkw-Fahrer, und ich bin in den Ferien immer mitgefahren. Mir hat diese Unabhängigkeit gefallen", schwärmt die junge Frau mit den schwarzlackierten Fingernägeln.

Bis sie aber endlich den Dreh bekommen hat, gab es schon eine abgebrochene Lehre zur Tierarzthelferin, Jobs auf der Tankstelle und an der Kasse. "Dann hab ich das Inserat mit dem Lehrgang zur Kraftfahrerin gesehen und wusste, das ist es", so die Frau aus Drochtersen-Hüll. Etwa sechs Monate paukte sie in der Fahrschule Quell in Stade Motor- und Bremstechnik, lernte betriebliche Planung und Logistik und wie sie so einen Laster wirtschaftlich fährt. Nach der Theorie ging es in den Lkw.

"Einfach aufregend", so Reinhards kurzer Kommentar. Rückwärts fahren war ziemlich schwer. Doch schnell gewöhnte sie sich daran, genauso wie an die Länge ihres Gefährts. "Erstmal habe ich natürlich Angst gehabt, dass ich bei 16 Metern Länge etwas übersehe."

Kraftfahrer werden händeringend gesucht. Allein im Bezirk der Arbeitsagentur Stade sind über 30 Stellen unbesetzt. Trotzdem gab und gibt es Vorbehalte gegenüber ihrer Berufswahl: in der Familie, bei Freunden und auch bei den Kollegen. "Aber auch einige Arbeitgeber wollten keine Frau einstellen", so Reinhard. Bei der Spedition Alfred Talke traf sie aber auf offene Ohren. Fuhrparkleiter Norbert Engel: "Wir haben schon in Köln eine Kollegin, mit der wir beste Erfahrungen gemacht haben." Für Jennifer Reinhard habe ihr absoluter Wille, diesen Beruf auszuüben, gesprochen. "Sie hat zig Qualifizierungen, etwa den Ladekran-, Gabelstapler- und großen Gefahrgutschein. Das zeigt, dass sie Biss hat."

Momentan fährt die junge Frau aus Hüll Tagestouren mit einem Kollegen in Norddeutschland, um neben den Containerfahrzeugen auch die Tanklastzüge kennenzulernen.

Stolz präsentiert sie ihr Reich. Etwa vier Quadratmeter ist es groß. Ein Bett hinter den Sitzen, ein Kühlschrank, in dem sie Suppen, Brot, Aufschnitt und Käse für die Fahrt deponiert. Auch der Fernseher darf nicht fehlen, mit ihm vertreibt sie sich die langen einsamen Abende auf den Raststätten. Ihr Traum: Europatouren wie schon ihr Vater. Ihre Tochter lebt während der Woche bei der Großmutter. Sonst wäre der Job ja nicht machbar. Ihre sieben Jahre alte Tochter sei stolz auf sie. Immer wieder höre sie den Satz: "Mama hat einen coolen Beruf."

Autorin: Christine Schönfeld

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